Energetische
Nutzung von Miscanthus (von Dr. W. Oest)
Die energetische Nutzung vom Miscanthus gliedert sich in folgende vier Bereiche:
1. Gebäudeheizung/Niedertemperaturwärmeerzeugung
2. Strom- und Hochtemperaturwärmerzeugung
3. Kraftstofferzeugung
4. Gaserzeugung
Im Folgenden finden Sie zu diesen Themenblöcken Kurzbeschreibungen sowie Links zu Webseiten mit weiterführenden Erläuterungen und Beschreibungen.
1. Gebäudeheizung/Niedertemperaturwärmeerzeugung
Hierunter wird die Erzeugung
von Warmwasser bis 100 oC , Warmluft und Strahlungswärme verstanden.
Unterschieden wird zwischen
1.1 Miscanthus als Häckselgut und
1.2 Miscanthus in gepresster Form
1.1 Miscanthus als Häckselgut
Es gibt bisher erst wenige
Hersteller von Heizkesseln, die geeignet sind, Miscanthushäcksel
zu verbrennen, ohne dass Schäden am Kessel entstehen. Problematisch
ist der niedrige Schmelzpunkt der Asche und die Gefahr der Korrosion im
Kessel sowie von Störungen in der Brennstoffzufuhr.
Firmen, die Heizkessel anbieten
1.2 Miscanthus in gepresster Form
Miscanthushäckselgut läßt sich mit Maschinen zu Briketts und Pellets pressen. Zur Heiztechnik für Miscanthushäcksel siehe www.lfi.at .
1.2.1
Miscanthus- Briketts
Es gibt zur Zeit auf auf dem Markt keine speziellen Brikettpressen für
Miscanthus. Infrage kommen Brikettpressen aus der holzverarbeitenden Industrie,
sowie Stroh-Brikettpressen. Es liegen zur Zeit keine Erfahrungen vor über
den Einsatz dieser Geräte für Miscanthushäcksel. In der
Regel sind die Briketts rund mit einem Durchmesser von ca. 8 cm und einer
Länge von 1-5 cm. Derartige Pressen gibt es auch für relativ
kleine Durchsatz-Mengen, z. B. die Schuco-Presse für 1 t/h bei einem
Preis von ca. 20.000 €.
Brikettpressenhersteller:
www.schuko.de
Brikettvertrieb: Unbekannt, erfolgt z. Zt. Nicht
1.2.2 Miscanthus
Pellets
Holz-Pellets werden z. Zt. stark empfohlen, wenn Unabhängigkeit von
Öl-, Gas- und Stromlieferungen angestrebt wird. Die Zahl der Pelletkessel
steigt mit großen Wachstumsraten von Jahr zu Jahr. Österreich
hat hier eine Vorreiterfunktion. Holzpellets sind ein Nebenprodukt der
holzverarbeitenden Industrie und werden aus Holz- und Hobelspänen
bestimmter Güte hergestellt. Das Volumen dieser Quelle ist begrenzt
und in Deutschland 2006 zu etwa 50 % ausgeschöpft. Bereits jetzt
steigen die Preise von Holzspänen für Pellets beträchtlich.
In ca. 2 - 3 Jahren wird das Angebot knapp werden und entsprechend werden
die Preise für Pellets steigen.
Miscanthushäcksel könnte einen geeigneten Ersatz darstellen mit nahezu unbegrenztem Mengenvolumen.
Die Firma Hargassner, Österreich, arbeitet an geeigneten Kesseln für Miscanthushäcksel, führt Versuche mit zugehörigen Pelletpressen durch und dürfte auf diesem Sektor die meisten Erfahrungen haben.
2. Stromerzeugung Hochtemperaturwärme und Vergasung
Die Stromerzeugung aus Miscanthus kann vorrangig über die Stufen Hochtemperaturwämeerzeugung, Dampferzeugung, Dampfturbine und Generator erfolgen. Die Hochtemperaturwärme wird durch einen Verbrennungsprozeß möglicherweise auch als Nebenprodukt einer Vergasung erzeugt und kann außer zur Dampferzeugung natürlich auch für andere industrielle Prozesse genutzt werden. Indirekt ist die Stromerzeugung natürlich auch aus Kraftstoffen oder Biogas, welche aus Miscanthushäcksel erzeugt wurden möglich (s.3. und 4.)
Die Stromerzeugung aus Miscanthusstroh
wird weltweit bisher noch nicht praktiziert. Innovativ wäre hier
der auf Miscanthus abgestimmte Verbrennungs- bzw Vergasungsprozess, der
Rest ist Stand der Technik. Als naheliegende verwandte Techniken können
Strohfeuerungen( insbesondere Ballenfeuerungen) und Holzfeuerungsanlagen
einen Ansatz bieten.
Zu Hackschnitzelfeuerungen:
www.energieberatung.ibs-hlk.de/planhack_feuersys.htm
Gute Übersicht
www.carmen-ev.de/dt/energie/bezugsquellen/hack_g1mw.html
www.seeger.ag/projekte_baust.shtml
Insbesondere dürfte aber
die Wirbelschichttechnik für die Dampferzeugung aus Miscanthushäcksel
Vorteile bringen, weil hier die Kesseltemperaturen niedrig gehalten werden
können, so dass es nicht zur Schmelze der Asche mit Anbackungen und
Schlackebildung kommt. Auch von der Stückigkeit her passt Miscanthushäcksel
eher zur Wirbelschichtfeuerung als zu Rostfeuerungen. Bei letzteren besteht
die Gefahr, dass Teile des Brenngutes unverbrannt aus dem Brennbereich
ausgeblasen werden oder als Rostdurchfall verloren gehen.
Zur Wirbelschichtfeuerung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wirbelschicht
3. Kraftstofferzeugung aus Miscanthus
Für die Kraftstofferzeugung
aus Miscanthushäcksel bietet sich z. Zt. nur der Weg über die
Erzeugung von Synthesegas und die anschließende Synthetisierung
des Kraftstoffes an. Dieser Weg befindet sich noch in der Entwicklung.
Das Potential je ha landwirtschaftlicher Nutzfläche ist hierbei wesentlich
größer als bei Rapsöl/Biodiesel- oder Bioethanolerzeugung.
An der Verfahrensentwicklung arbeiten viele Institute und Firmen. Am weitesten
ist das Konsortium Choren/Shell, das beabsichtigt, ab ca 2010 die ersten
Großanlagen mit je 1 Mio. t Biomasseeinsatz und 0,2 Mio. t Kraftstoffausstoß
in Lubmin und ggf. Dormagen sowie Uelzen in Betrieb zu nehmen. Auch wenn
diese Anlagen zunächst auf Holz als Einsatzstoff ausgerichtet sind,
wird schon heute erwartet, dass auch Miscanthushäcksel als Rohstoff
geeignet ist.
Ein anderes stärker dezentral ausgerichtetes Verfahren, welches von
vornherein auf Stroh als Einsatzstoff ausgerichtet ist, wird am Forschungszentrum
Karlsruhe entwickelt. Auch am Cutec-Institut in Clausthal-Zellerfeld wurde
bereits in einem Wirbelschicht-Vergaser Getreidestroh erfolgreich in Synthesegas
umgewandelt.
Bei den thermochemischen Verfahren ist immer die Zwischenstufe Synthesegas erforderlich. Vom Synthesegas sind verschiedene weitere Produkte herstellbar. Neben der Kraftstoffsynthese nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren, bei der auch mehr oder weniger Wachse anfallen, kann das Gas auch zu Methan oder Methanol synthetisiert werden. Dieser Weg wird an der Bergakademie Freiberg, Sachsen , am Institut für verfolgt.
Weiterhin gibt es
Verfahren der katalytischen Niedertemperaturkonvertierung bei der auf
einem Temperaturniveau von etwa 300 °C unter Zusatz von Katalysatoren
die Biomassemoleküle zerlegt werden.
www.clyviatec.de
Neben den thermochemischen Verfahren wurde von der Firma Iogen in Ottawa, Kanada, ein biochemisches Verfahren zur Herstellung von Ethanol aus Getreidestroh entwickelt, an dem die Firmen Shell und Volkswagen sehr interessiert sind. Bei diesem Verfahren wird die Zellulose enzymatisch aufgeschlossen und dann durch Vergärung Ethanol erzeugt.
www.iogen.ca
http://www.iogen.ca/news_events/iogen_news/2004_05_28.html
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2006-01/artikel-5825620.asp
4. Biogaserzeugung aus Miscanthus
Über die Nutzung
von Miscanthushäcksel zur Biogaserzeugung ist bisher wenig bekannt.
Grundsätzlich ist Lignocellulose, aus der Miscanthushäcksel
überwiegend besteht, für Vergärungsprozesse weniger geeignet.
Es gibt aber Meldungen von einzelnen Betreibern von Biogasanlagen, die
eine gute Ausbeute aus Miscanthushäcksel erzielt haben. Wer weiß
Näheres?